Leitdokument für Forschende und indigene Gemeinschaften: Ethische Zusammenarbeit in der Arktisforschung
Die auf dieser Seite vorgestellten Arbeiten sind Ergebnisse von NJUOLLA->QARJUK, einer Zusammenarbeit zwischen dem Saami Council (Sápmi, Nordeuropa), Ikaarvik (Mittimatalik, Nunavut, Kanada) und dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (Potsdam, Deutschland). Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert. Lesen Sie mehr über das Projekt hier.
Einleitung
In Zusammenarbeit zwischen indigenen und nicht-indigenen Partnern durchgeführte Forschung liefert fundiertere und relevantere Daten, die zu besserem Wissen für Entscheidungsprozesse führen können. Auch wenn diese Art der Forschung ideal ist, sind viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Forschende unsicher, wie sie die richtigen Beziehungen aufbauen können, um solche Prozesse zu beginnen. Zudem haben viele arktische indigene Gemeinschaften keine eigenen formellen Forschungsleitlinien veröffentlicht, was es für Forschende schwierig macht zu wissen, wo und wie der ko-kreative Prozess beginnen soll. Im Bewusstsein dieser Herausforderungen haben der Saami Council, Ikaarvik und das Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit dieses Leitdokument erstellt, um den Fortschritt hin zu kollaborativer Forschung zu unterstützen. Unsere Absicht ist es, Forschende und Gemeinschaften dabei zu unterstützen, gute Beziehungen aufzubauen und projektspezifische Vereinbarungen für ein ethisches Miteinander zu entwickeln. Die Leitlinien dieses Dokuments konzentrieren sich in erster Linie auf die arktischen Regionen, in denen unsere Organisationen tätig sind, darunter Sápmi (Nordeuropa), Nordamerika und Kalaallit Nunaat (Grönland). Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass, wenn eine Gemeinschaft eigene Forschungsleitlinien hat, diese gegenüber allen hier bereitgestellten allgemeinen Informationen Vorrang haben und Forschende diese vorrangig befolgen müssen. Dieses Leitdokument schreibt keinen einheitlichen Ansatz vor, sondern betont vielmehr, der Gemeinschaft zuzuhören und ihre Wege und Bedürfnisse zu respektieren. Jede Gemeinschaft kann unterschiedliche Wege der Zusammenarbeit wählen, und Forschende sollten sich entsprechend anpassen.
Dieses Leitdokument schreibt keinen einheitlichen Ansatz vor, sondern betont vielmehr, der Gemeinschaft zuzuhören und ihre Wege und Bedürfnisse zu respektieren.
Was enthält dieses Dokument, und wie wird es verwendet?
Dieses Dokument soll Forschenden und arktischen indigenen Gemeinschaften als Leitfaden dienen, die ethische, respektvolle und für beide Seiten vorteilhafte Forschungskollaborationen aufbauen möchten. Es bietet einen Überblick über das koloniale Erbe der Forschung, die Bedeutung von Reflexivität und Überlegungen zum Aufbau vertrauensbasierter Beziehungen. Das Dokument enthält Hinweise zur gemeinsamen Entwicklung ethischer Vereinbarungen und hebt die Bedeutung der Datensouveränität hervor. Außerdem bietet es praktische Fragen, die Forschende zu ihrer eigenen Reflexion sowie zu strukturierten Gesprächen mit Gemeinschaften anregen sollen. Es ist ein Werkzeug, das in allen Phasen eines Forschungsprojekts – von der Planungsphase bis zur Evaluation – verwendet werden kann und sollte, um eine sinnvolle, faire und für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit sicherzustellen.